Die Siedlungsgeschichte des Alten Landes ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Gesichert ist, dass zumindest bis ins 3. Jahrhundert in der Marsch auch ohne Wurten oder Deiche gesiedelt werden konnte. Durch die großen Auslaufflächen der Elbe und das weit ins Land hineinreichende Priel- und Flusssystem war der Tidenhub wesentlich niedriger als heute. Die bei jeder Tide an den Ufern abgelagerten Sedimente boten etwas höhere Flächen, die zum Siedeln geeignet waren.
Erst mit dem Bau der ersten Deiche im Kehdinger Land um das Jahr 800 beginnt die Einschnürung des Stromgebietes der Elbe und damit verbunden ein höheres Ansteigen des Wassers. In dieser Zeit werden die ersten noch niedrigen Wurten errichtet. Die übliche Siedlungsweise waren Einzelhöfe, die verstreut an den Prielen und Flüssen lagen und durch die Wasserwege miteinander verbunden waren. Jede Hofstelle hatte direkten Anschluss an einen schiffbaren Priel oder Fluss und eine Anlegestelle für Boote. Ein Landwegenetz war nicht vorhanden.
Über den Zeitpunkt der Eindeichung liegen keine schriftlichen Quellen vor. Es existiert ein Siedlungsvertrag zwischen dem Erzbischof von Bremen (damals Landesherr dieser Region) und im Gebiet wohnenden Holländern aus dem Jahre 1106, in dem den Holländern sumpfiges, für die Einheimischen unnützes Gelände zur Urbarmachung und zur dauerhaften Nutzung überlassen wird. Allerdings ist weder der Vertrag im Original erhalten noch ist geklärt, auf welches Gebiet sich der Vertrag bezieht. Archäologisch konnte nachgewiesen werden, dass zunächst die Bereiche entlang der Flüsse Lühe und Este in lange schmale Streifenfluren eingeteilt und eingedeicht wurden. Notwendig war nicht nur ein Deich zum Fluss hin, sondern auch zur Elbe sowie Hinterdeiche nach Süden, Osten und Westen, so dass ein rings mit Deichen umschlossenes Gelände (Koog) entstand. Diese Deiche sind mit relativer Sicherheit vor 1543 errichtet worden (Baudatum eines Hauses in Groß Hove).
Die Bereiche Borstel, Jork und Ladekop lagen noch längere Zeit offen, wahrscheinlich ist der dortige Koog erst um 1600 oder kurz vorher entstanden. Ein Indiz für die spätere Eindeichung dieser Bereiche ist die Fluraufteilung, die sich zwischen die bestehenden Flur von der Lühe und Este her einpassen musste.
Die erste nachweisbare befestigte Straße ist die Verbindung von Jork nach Borstel entlang des Zesterfleets (heute Am Gräfengericht und Borsteler Reihe).
Mit dem Deichbau wurde das bisher bestehende Landschaftsbild verändert. Schnurgerade Gräben, die die Flächen in gleichbreite Streifen (Beete) unterteilten, dienten zur Entwässerung und gleichzeitig als Transportwege. Die vorhandenen Priele wurden zum Teil verfüllt oder begradigt und in das neue Entwässerungssystem eingebunden.

Damit veränderte sich auch die
Siedlungsform. Die Einzelhöfe in verstreuter Lage wurden aufgegeben, soweit sie
sich nicht in das neue System einfügten. Gesiedelt wurde nun unmittelbar hinter
den neuen Deichen. Am Anfang der Beete stehen die Wohnstallhäuser mit der
Giebelseite zum Deich oder zum Graben. Die Wirtschaftsgebäude stehen in
gleicher Ausrichtung dahinter oder zurückliegend daneben.
Entlang der Deiche von Lühe, Este und Elbe folgt die Besiedlung dem leicht
geschwungenen Fluss- und Deichverlauf, wodurch abwechslungsreiche Raumeindrücke
entstehen. Im Bereich Jork und Ladekop entstanden zwei Reihendörfer entlang von
schnurgeraden 3 bis 3,5 km langen breiten Gräben.
Anders entwickelte sich die Bebauung in den Ortskernen von Borstel, Jork und Estebrügge. Hier siedelten sich um die Kirchen herum Handwerker, Schiffer und Händler an. Dadurch entstand hier ein eher kleinstädtisches Gepräge (Estebrügger Straße in Estebrügge und Bürgerei in Jork).
Diese Verhältnisse änderten sich bis in die Mitte des letzten Jahrhunderts nur wenig. Mit dem Fortschritt in der Technik und steigenden Bevölkerungszahlen veränderte sich auch das Erscheinungsbild der Orte. Wurden bisher die Gebäude aus den in der Umgebung zu gewinnenden Baumaterialien Holz, Ziegel und Reet errichtet, so ist ab ca. 1860 ein Wandel vom Fachwerkbau zum Massivbau festzustellen. Ab 1880 werden Bauernhäuser nur noch vereinzelt in Fachwerk errichtet. Massive Ziegelaußenwände, teilweise mit Putzverzierungen und später auch reine Putzbauten treten an seine Stelle. Für die Dacheindeckung werden vermehrt Ziegelpfannen, oder auch Biberschwanz- oder Schiefereindeckungen verwendet. Das früher einheitlich gestaltete Bauernhaus unterteilt sich zunehmend in ein repräsentatives Vorderhaus und ein eher zweckmäßig - nüchtern gebautes Hinterhaus mit dem Stallteil. Heute sind bei landwirtschaftlichen Hofstellen Wohnhaus und Wirtschaftsgebäude völlig getrennt. Die Wohnteile unterscheiden sich nicht mehr von sonstigen Einfamilienhäusern. Seit etwa der Jahrhundertwende entstehen zwischen den Hofstellen auch reine Wohnhäuser. Die Verfügbarkeit aller Baustoffe in allen Regionen des Landes und die immer schneller wechselnden Moden haben auch in Jork Spuren hinterlassen. Gebäude mit Betonfassaden, Kalksandsteinen und Flachdächern stehen in bunter Reihe neben historischen Fachwerkhäusern mit Reeteindeckung und drohen das eindrucksvolle Bild dieser von Menschen geschaffenen Kulturlandschaft zu verwischen.
Bei Gründung des Dorfes Jork etwa zwischen 1200 und 1230 erhielt der Siedlungsführer den Herrenhof an dieser Stelle des Ortskerns. Der Hof hatte doppelte Hufengröße, war abgabefrei, mit dem erblichen Schulzeamt, der niederen Gerichtsbarkeit und etlichen anderen Vorrechten versehen.
Er war der Stammsitz der Familie von Jork, die später im Zug der Ostkolonisation ins Ordensland Preußen auswanderte. Über Jahrhunderte war er Sitz der Gräfen des Alten Landes, der vom Landesherren aus dem Hausmannstand ernannten Vertreter der Obrigkeit, denen Rechtspflege und Verwaltung übertragen waren.
Dieses Haus ließ 1649 bis 1651 der Gräfe Matthäus von Haren errichten, der den Hof ein Jahr zuvor gekauft hatte. Von den älteren Gebäuden ist nichts mehr nachweisbar. Eingreifende Umbauten ließ Hausmann Tewes Wilkens um 1780 vornehmen, nachdem er den Hof 1778 gekauft hatte. Aus der Zeit stammen die Treppe, Türen und Stuckdecken des Hauses, die Sandsteinvasen auf den Giebeln und die Steintreppe zum Fleet. Auch der Hofgiebel des Landhauses wurde 1783 erneuert. Im Sturzbalken über der Grootdör wurde das von Löwen gehaltene alte Doppelwappen aus den drei Dengeleisen der von Haren und den drei Bracken- oder Jagdhundköpfen der von Borries zu den eigenen Initialen, nämlich TWK für Tewes Wilkens und MGWK für Margarete Wilkens, geborene Köpke, übernommen.
Nachdem das Langhaus abgebrochen war, erwarb 1971 die Gemeinde Jork das vom Verfall bedrohte Restgebäude von Ida Loheyde.
Im Zusammenwirken mit dem Land Niedersachsen, dem Landschaftsverband Stade und dem Landkreis Stade ließ sie es von 1974 bis 1980 von Grund auf restaurieren. Dabei wurde auch ein - verkürztes - Landhaus neu errichtet unter Verwendung des straßenseitigen Giebels des 1974 abgebrochenen Hauses von Kurt Feindt, Westerjork 55, aus dem Jahr 1823, in den man eine Grootdör mit dem Original Sturzbalken des von Haren/Wilkens’schen Hauses von 1783 einarbeitete. Am 21. Juni 1980 wurde das Gebäude als Rathaus der Gemeinde Jork eingeweiht.